Sehr geehrte Damen und Herren,

es wäre schön gewesen als Anwohner nicht erst aus der Presse von der Planung des Umbaus der Weserstrasse zu erfahren. Eine Infoveranstaltung hätte man auch früher bekanntgeben können.
Alles andere zum Thema im Anhang. (die Antwort nimmt die Fragen aus dem Anhang auf)

Mit freundlichen grüßen,
L.S.

Die Antwort gibt der Zuständigkeit halber unser Bezirksverordneter Marko Preuß:


Hallo, Herr S**,

ich habe Ihren Brief gleich zweimal weitergeleitet bekommen: Einmal vom Büro von Dr. Nicola Böcker-Gianini, weil ich örtlich zuständiger Bezirksverordneter bin, und einmal vom BVV-Vorsteher, weil ich Ausschussvorsitzender für Verkehr bin. Ich antworte jetzt einfach mal in beiden Funktionen zusammen. Zu Beginn möchte ich mich bedanken, dass Sie sich Gedanken über die Planungen in Ihrem Umfeld machen. Davon lebt ein Kiez. Und auch wenn ich in enigen Punkten nicht mit Ihnen übereinstimme, freue ich mich doch über jede konstruktive Anregung.

Sie schreiben, dass Sie sich sehr spät über Pläne informiert fühlen. Das tut mir leid, denn Bürgerbeteiligung ist uns wichtig. In den öffentlichen Ausschüssen wurde schon längere Zeit über die Verlängerung der Fahrradstraße über die gesamte Weserstraße geredet. Leider fand das nicht den Weg in die Presse. Für die Bürgerbeteiligung wurde dann am 7. August eine sehr breit und umfassend beworbene Veranstaltung in der Quartierssporthalle durchgeführt, an der auch sehr viele Anwohner teilnahmen. Dort fand die Fahrradstraße nahezu einhellige Zustimmung, es war aber auch ebenso klar, dass wir alle Interessen zumindest betrachten werden. So war von Beginn an klar, dass das Bezirksamt eine vollständige Sperre von Teilbereichen der Weserstraße für den KfZ-Verkehr ablehnt.

Zunächst möchte ich anmerken, dass wir mit dem Ausbau der Radverkehr-Infrastruktur das Mobilitätsgesetz umsetzen, welches vom Abgeordnetenhaus von Berlin verabschiedet wurde. Eine sichere Strecke für Radfahrer ist gerade angesichts des stetig zunehmenden Radverkehrs dringend notwendig. Leider wurde bei der Verkehrsplanung bisher ziemlich einseitig auf den privaten PKW gesetzt.
Die Sonnenallee kommt in den nächsten Jahren nicht für stark erweiterte Radfahrinfrastruktur in Frage, weil noch nicht geklärt ist, wie die Planung der Tram aussieht, und zudem abgewartet werden muss, wie sich die neue Anschlusstelle an die Stadtautobahn bemerktbar macht.

Sie haben natürlich recht, wenn Sie sagen, dass eine Asphaltierung alleine erst recht für mehr Autoverkehr sorgen würde. Deshalb wird das Planungsbüro mehrere Möglichkeiten prüfen, einen PKW-Durchgangsverkehr zu verhindern. Am wahrscheinlichsten sind verschiedene gegenläufige Einbahnstraßen, aber Modale Filter oder Diagonalsperren sind ebenfalls in der Prüfung. Es wird für den Autofahrer nicht möglich sein, die Weserstraße als Ausweichrennstrecke zur Sonnenallee zu benutzen. Auf der Beteiligungsveranstaltung sind einige Ideen dazu aus der Anwohnerschaft beigesteuert worden. Weitere Anregungen sind sicher dennoch möglich, und ich würde diese gerne weitergeben.

Was den Parksuchverkehr  betrifft, so ist ja bereits durch die Presse gegangen, dass der Bezirk derzeit eine Machbarkeitsstudie durchführt, mit dem Ziel, eine Parkraumbewirtschaftung einzuführen. Hierdurch würde die Möglichkeit für Anwohner deutlich verbessert, Parkplätze zu finden, während die zunehmende Anzahl auswärtiger Besucher*innen angeregt wird, auf das Auto zu verzichten. Anwohner bekommen gegen eine geringe Verwaltungsgebühr einen Anwohnerparkausweis. Das Bezirksamt ist im übrigen durchaus bemüht, die Kontrolle der Zweckentfremdungsverbotsverordnung zu intesivieren. Wenn sie ganz konkrete Hinweise auf rechtswidrige Nutzung als Ferienwohnung haben, bitte ich sie samt Belegen (z.B. Protokolle über wöchentlich wechselnden Bewohnerwechsel) an das Bezirksamt zu schicken, die freuen sich, wenn sie Hinweise bekommen: https://www.berlin.de/ba-neukoelln/politik-und-verwaltung/aemter/amt-fuer-buergerdienste/wohnungsamt/zweckentfremdung-273429.php

Die derzeitigen Fahrradwege sind leider nicht wirklich in der Lage, eine vernünftige Fahrgeschwindigkeit zu gewährleisten, zumal durch baumwurzeln auch keine gerade Fläche garantiert werden kann. Derzeit werden sie eher TROTZ ihres Zustandes genutzt, weil die Sonnenallee zu gefährlich ist, und die Fahrbahn für radler nicht befahrbar.
Moderne Radinfrastruktur ist so breit, dass sie z.B. ein Überholen gewährleisten kann. (Auf Haupt-Verkehrsstraßen für PKW ist das ja für Autos auch möglich) Zwei nebeneinanderfahrende Radler sind nebenbei gesagt ungefähr so breit wie ein Auto. Sie schreiben, die Weserstraße sei die einzige  Ausweichroute zur Sonnenallee. Genau das wollen air aber verhindern, dass die Autos dann durch die Weser fahren. Die Weser soll in der tat als DURCHGANGSstraße nur noch für Radfahrer dienen.

Was die Kritik am Fehlverhalten einiger Radfahrer betrifft, so stimme ich ihr als selber häufig das Auto Benutzender zu. Eigentlich sollten zumindest in berlin aufgewachsene Radfahrer wissen, wie man sich zu verhalten hat – ist doch hier in der Schule die Teilnahme am Radunterricht und der Radfahrprüfung obligatorisch…

Was den Lieferverkehr betrifft, erhoffen wir uns auch da durch die Parkraumbewirtschaftung eine Entlastung.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass für die Mehrheit in der BVV und im Bezirksamt die Verbesserung der Radinfrastruktur ein hohes Gewicht hat. Dennoch wollen, ja müssen wir auch diejeniegen, die nicht in der Lage sind, Radzufahren, im Blick behalten. (Ich selber kann seit einer Schulterverletzung nicht länger als 15 min schmerzfrei radeln). Das Ziel der Zählgemeinschaft ist es, die so dringend nötige Verkehrswende möglichst unter Mitnahme aller hinzubekommen. Niemand soll vom Autoverkehr abgeschnitten werden. Ich würde mich freuen, wenn sie an weiteren Veranstaltungen teilnähmen und sich mit Ideen einbrächten. Auch der Ausschuss für Verkehr, tiefbau und Ordnung (VTO) der BVV tagt regelmäßig öffentlich.
Und ich persönlich bin jederzeit für Vorschläge, Anregungen und Kritik offen. Schliesslich mach ich das ganze ja nicht für mich, sondern für die leute in Neukölln.


Ich befürchte, meine Mail wird Sie nicht völlig zufriedenstellen, hoffe aber dennoch, wir bleiben in Kontakt und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Mit freundlcihen Grüßen,

Marko Preuß