Presseberichte zur Podiumsdiskussion “Zukunft des Karstadt” am 30. September 2020

Das öffentliche Interesse und das der Medienvertreter*innen an unserer Fraktion-vor-Ort Veranstaltung war groß.
Nicht nur, dass wir mit ca. 90 anwesenden Personen fast maximal ausgebucht waren vor Ort, sondern Zugriffe auf die beiden Livestreams von knapp 500 Menschen hatten und die Präsenz von vielen Presse- und Medienvetreter*innen zeigte uns, dass wir mit diesem Thema und dem Podium einen Nerv getroffen haben.
Der Karstadt am Hermannplatz, sein Erhalt und die in Frage stehende zukünftige Gestaltung mit der Wiederherstellung der alten Pracht aus der Ära der “goldenen Zwanziger” bewegt viele Menschen und er führt auch zu kontroversen bis hitzigen Diskussionen.

Die Morgenpost schreibt:

HERMANNPLATZ

Karstadt-Umbau am Hermannplatz: Das sind die Perspektiven

An der Podiumsdiskussion zur Zukunft der Filiale nahm auch Michael Müller teil. Angestellte in Sorge wegen langer Umbauzeit.30.09.2020, 22:43 Holly Hildebrand

Podiumsdiskussion zur Zukunft der Karstadt-Filiale am Hermannplatz.
Podiumsdiskussion zur Zukunft der Karstadt-Filiale am Hermannplatz.Foto: Holly Hildebrand

Berlin. Gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion zur Zukunft der Karstadt-Filiale am Hermannplatz gab es eine positive Nachricht: „Wir haben das Insolvenzverfahren heute positiv zu Ende gebracht. Die Mietverträge für die in Frage kommenden Galeria Kaufhof Karstadt haben wir sämtlich abschließen können. Damit kann GKK ab morgen schuldenfrei in die Zukunft blicken“, verkündete Timo Herzberg, Geschäftsführer der Signa-Gruppe in Deutschland, am Mittwochabend.

Eingeladen zu dem Termin am 30. September mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD), dem Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD), Timo Herzberg (Signa Deutschland), Nils Busch-Petersen (Einzelhandelsverband Berlin) und Ulrich Wiegard (Betriebsrat Karstadt am Hermannplatz) hatte der SPD-Bezirksverband. Karstadt am Hermannplatz soll umgestaltet werden. Investor Signa will auch Wohnungen bauen. Dennoch stößt das Projekt auf Kritik.

Er habe eigentlich auf Michael Müller warten wollen, scherzte Herzberg – nutzte dann jedoch trotz Verspätung des Regierenden Bürgermeisters die Fragerunde zu Beginn der Diskussion, um die Nachricht zu verkünden. Er erhoffe sich, dass diese das Vertrauen auch der Belegschaft fördern werde und Ängste bei den Skeptikern des Projekts abbaue.

Karstadt am Hermannplatz: Fragen zur künftigen Verkehrsführung

Diese waren bei dem Termin im Karstadt-Restaurant, zu dem die SPD eingeladen hatte, kaum vertreten. Etwa 60 Menschen waren der Einladung gefolgt, weitere 60 verfolgten die Veranstaltung im Livestream.

Zwar kamen einige kritische Fragen aus dem Publikum vor Ort und aus dem Livestream auf, insbesondere zur künftigen Verkehrsführung, zur Wohnsituation nach dem geplanten Umbau sowie zum Erhalt der „Shop-im-Shop“-Geschäfte. Größtenteils klang bei den Vertretern aus Politik und Wirtschaft allerdings Freude über die erhaltenen Arbeitsplätze und ein positiver Blick in die Zukunft an.

Der Ist-Zustand bleibe unter seinem Potential, befand Martin Hikel (SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln. Er sehe daher Handlungsbedarf, insbesondere auch bei der Verkehrssituation rund um den Hermannplatz. „Wir konnten nicht alles, aber sehr viel retten am Standort Berlin“, sagte Müller zu den Plänen, die zwischen Signa und dem Senat kürzlich im „Letter of Intent“ festgehalten wurden. Er betonte, dieser sei Ausdruck eines Kompromisses, eines „Geben und Nehmen“, das nötig sei, um Arbeitsplätze zu retten und die Quartiersentwicklung voranzutreiben.

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Karstadt am Hermannplatz: Angestellte sind in Sorge

Auf die Ängste und Sorgen der Angestellten am Hermannplatz ging Ulrich Wiegard, Vorsitzender des Betriebsrats der Karstadt-Filiale, als Vertreter der Mitarbeiter ein. Diese sorgen sich um den Verlust ihrer Arbeitsplätze, insbesondere auch während der langen Umbauzeit. Die meisten der rund 180 in der Filiale am Hermannplatz Beschäftigten sind Teilzeitkräfte, meist Frauen, im Schnitt Anfang 50 und oftmals bereits seit langen Jahren bei Karstadt angestellt.

An diese konnte Herzberg auf Nachfrage der Moderatorin Nicola Böcker-Giannini (SPD) jedoch keine Zusagen machen. Er wisse, so der Geschäftsführer, dass der Konzern „aufgrund der Altersstruktur nicht viel mit Zukunftsperspektiven werben“ könne. Herzberg stellte einen Zwischenstandort in Neukölln in Aussicht, der die vom Umbau betroffenen Mitarbeiter aufnehmen könnte.

Karstadt-Sports-Filiale am Bahnhof Zoo muss schließen

Wie zum Wochenanfang bekannt wurde, muss die Karstadt-Sports-Filiale am Bahnhof Zoologischer Garten schließen. Das gab Reinhard Haas, Leiter Immobilien und Logistik des Konzerns der Konzern, bei einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses bekannt. Gleichzeitig sei der vorläufige Erhalt der Karstadt-Warenhaus-Standorte auf der Müllerstraße im Stadtteil Wedding, der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg sowie in Tempelhof nun auch vertraglich gesichert.

Damit stehen die Schicksale weiterer Standorte des zur österreichischen Signa-Holding gehörenden Unternehmens fest. Die Holding hatte während der Corona-Krise angekündigt, aufgrund hoher Verluste sechs von elf Warenhaus-Standorten in Berlin zu schließen. Der Berliner Senat, Vermieter und das Unternehmen rangen daraufhin um den Erhalt möglichst vieler Filialen. Nach einer Einigung Anfang August waren zunächst nur noch zwei Standorte von Schließungen betroffen. Im Gegenzug wolle das Land federführend drei große Bauprojekte des Konzerns in der Stadt unterstützen, hieß es nach der Einigung: den Ausbau der Häuser Hermannplatz, Alexanderplatz und Kurfürstendamm.

https://www.morgenpost.de/bezirke/friedrichshain-kreuzberg/article230561246/Karstadt-Umbau-am-Hermannplatz-Das-sind-die-Perspektiven.html

Und der Tagesspiegel hat die Diskussion so erlebt:

Diskussion zu Neubauplänen am HermannplatzKarstadt-Investor Signa hält „Dresche“ aus

In einer Diskussionsrunde stellt sich der Signa-Chef der Kritik an den Neubauplänen. Müller verteidigt zudem die Absichtserklärung zwischen Investor und Senat. CHRISTOPH KLUGE

So wünscht es sich Signa. Der Immobilienzweig des Konzerns möchte den Karstadt-Neubau gemischt nutzen – auch für Büros, Wohnungen und Sport. Die Terrasse mit Bäumen soll als Rückzugsort dienen und Habitat für Insekten sein.
So wünscht es sich Signa. Der Immobilienzweig des Konzerns möchte den Karstadt-Neubau gemischt nutzen – auch für Büros, Wohnungen…RENDERING: SIGNA/CHIPPERFIELD

Über die Zukunft des Karstadt-Standortes am Hermannplatz diskutierten am Mittwochabend Vertreter von Politik und Wirtschaft in einer Podiumsdiskussion – und der Deutschlandchef des Investors Signa, Timo Herzberg, stellte sich der Kritik an den Neubauplänen.

„Heute ist ein guter Tag!“, sagte Herzberg gleich zu Beginn der Veranstaltung, die im Restaurant im vierten Obergeschoss des Warenhauses stattfand. Der Grund für die Freude des Managers: Wenige Stunden zuvor hatte das Amtsgericht Essen die Insolvenzverfahren für den Warenhauskonzern und seine Tochterunternehmen Karstadt Sport, Karstadt Feinkost, Le Buffet und Dinea aufgehoben. Herzberg sagte am Abend, dass für alle verbleibenden Karstadt-Filialen bereits Mietverträge abgeschlossen seien. „Galeria Karstadt Kaufhof kann ab morgen schuldenfrei in die Zukunft blicken“.

Die Gläubiger hatten zuvor den von der Unternehmensführung ausgearbeiteten Insolvenzplänen zugestimmt und damit auf Forderungen in Höhe von mehr als zwei Milliarden Euro verzichtet.

Für Tausende Mitarbeiter bedeutet die Neuaufstellung allerdings den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Denn die Sanierungspläne sehen deutschlandweit die Schließung von mehr als 40 Warenhäusern vor. Das betrifft in Berlin auch Karstadt Sports am Bahnhof Zoo in Charlottenburg, außerdem die Galeria-Kaufhof-Filialen im Linden-Center in Hohenschönhausen und in den Gropius-Passagen in Neukölln.

Auch die Mitarbeitenden der Filiale am Herrmannplatz würden um ihre Arbeitsplätze bangen, sagte Ulrich Wiegard, der Vorsitzende des Betriebsrats. „So ein Bau löst Ängste aus.“ Viele der größtenteils weiblichen Beschäftigten würden sich fragen: „Finden wir uns nachher in relevanter Größe in diesem Gebäude wieder?“

Müller: „Signa erpresst uns nicht“

Ülker Radziwill, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, forderte: „Der Konzern soll sich zu den Arbeitsplätzen bekennen.“ Signa stehe in der Verantwortung, „beim Umbau mit Bedacht vorzugehen.“

In einer umstrittenen Absichtserklärung Anfang August hatte sich der Berliner Senat mit Galeria Karstadt Kaufhof und Signa ein Gesamtpaket auf ein gemeinsames „Gesamtpaket“ verständigt. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der eine Stunde verspätet eintraf, verteidigte den „Letter of Intent“ als notwendigen Schritt zur Rettung von Arbeitsplätzen. „Signa erpresst uns nicht“, sagte Müller. Der Investor schreibe der Politik auch keine Entscheidungen vor. Auf dem Landesparteitag der Linken im August war von einer „Erpressung“ Berlins durch die Kaufhaus-Betreiber die Rede gewesen.

„Die Angst geht um“

Doch auch Anwohner sehen die Neubaupläne am Hermannplatz kritisch. „Die Angst geht um“, sagte eine Frau aus der Nachbarschaft bei einer offenen Fragerunde. Im Kiez würden immer mehr Mietwohnungen in teure Eigentumswohnungen umgewandelt. Ihre Befürchtung sei, dass sich diese Situation durch den Kaufhausneubau noch verschärfen könnte: „Das Problem ist auch die Ausstrahlung, die so ein Gebäude hat.“

Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel und die Abgeordnete Ülker Radziwill (beide SPD).
Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel und die Abgeordnete Ülker Radziwill (beide SPD).FOTO: CHRISTOPH M. KLUGE

Man nehme diese Sorgen ernst, entgegnete Herzberg. Der Investor suche den Dialog mit skeptischen Anwohnern und dem Bezirk, das entspreche dem „Demokratieverständnis“ seines Unternehmens. „Ich bin aber überzeugt, dass ein überwiegender Teil der Berliner den Handlungsbedarf sieht.“ Das Kaufhaus sei in seiner jetzigen Form nun einmal nicht zukunftsfähig, ein Neubau unausweichlich. „Wir haben einen Vorschlag gemacht, dafür kriegt man Dresche“, sagte Herzberg. „Das halten wir auch aus.“

Die Kritik kam vor allem aus dem grün regierten Friedrichshain-Kreuzberg, zu dem das Grundstück gehört. Insbesondere Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) hatte sich gegen das Projekt gestellt. Die Bezirksgrenze zu Neukölln verläuft allerdings genau am Hermannplatz.

Hikel: Neubau soll dazu beitragen, den Hermannplatz zum „Wohlfühlort“ zu machen

Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (SPD) betonte die Bedeutung für seinen Bezirk: „Der Hermannplatz ist ein Identifikationspunkt für viele Neuköllner.“ Zurzeit biete der Platz aber nur wenig Aufenthaltsqualität. Der Kaufhausneubau müsse dazu beitragen, den Platz zu einem „Wohlfühlort“ zu machen.

Wenn es nach Hikel geht, sollte der Platz in Zukunft zumindest auf einer der beiden langen Seiten nicht mehr von Fahrbahnen für Autos begrenzt werden. Ob die Fahrbahnen vor dem Kaufhaus oder die auf der gegenüberliegenden Seite weichen sollten, ließ er offen.

Die Verkehrswende sei auch für Karstadt ein wichtiges Thema, entgegnete Herzberg. Ein Drittel des Parkhauses sei zurzeit nicht ausgelastet. Dort könnten in Zukunft zum Beispiel Fahrradstellplätze eingerichtet werden. Auch für den Kiez werde der Neubau eine Bereicherung sein, versprach der Manager. Die Dachterrasse werde zudem öffentlich zugängliche Flächen bieten, eine Kita und soziale Einrichtungen wie Stadtteilinitiativen würden Räume finden. Diese „Mischung“ mache auch das Kaufhaus selbst attraktiver. Denn klar sei am Ende auch, dass sich das Ganze unter dem Strich rechnen müsse.

Moderatorin Nicola Böcke-Giannini (SPD), Timo Herzberg (Signa) und Betriebsratschef Ulrich Wiegard (l.-r).
Moderatorin Nicola Böcker-Giannini (SPD), Timo Herzberg (Signa) und Betriebsratschef Ulrich Wiegard (l.-r).FOTO: CHRISTOPH M. KLUGE

Hikel lobte die Bereitschaft des Investors, mit der Zivilgesellschaft in Dialog zu treten, um dann gleich hinzuzufügen, dass das eigentlich „selbstverständlich“ sei. Dass der Neubau architektonisch an die goldene Zeit der Warenhäuser zu Beginn des 20. Jahrhunderts anschließe, sei ein gutes Zeichen. Damals sei das Haus ein „Gebäude der Menschen“ gewesen, daher solle heute die Öffentlichkeit teilhaben. Die Integration eines sozialen Angebots würde einen „echten Mehrwert“ schaffen, argumentierte der Politiker.

Busch-Petersen: „Diese Stadt wird nicht ausverkauft“

Wichtig sei aber: „Das Beteiligungsverfahren muss von der Politik getragen werden“, betonte Hikel. Ein Seitenhieb in Richtung der Signa-Gruppe, die mit ihrer Kampagne „Nicht ohne euch!“ um die Anwohnerschaft wirbt. Kritiker wie die „Initiative Hermannplatz“ werfen dem Investor vor, auf diese Weise Verdrängung schönreden und Lobbyismus auf Kosten echter Initiativen betreiben zu wollen.

„Diese Stadt wird nicht ausverkauft“, betonte Nils Busch-Petersen, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Dass Mietpreise steigen, sei nicht allein die Verantwortung eines Kaufhauses, denn diese Entwicklung würde auch bei einem Einfrieren des jetzigen Zustands fortschreiten. Kritik sei aber sinnvoll, zumindest solange alle Parteien miteinander diskutierten und „nicht nur die Trillerpfeifen rausgeholt werden“.

Auch wenn die Kritik am Bauprojekt bei der SPD-Veranstaltung, die auch im Livestream online übertragen wurde, insgesamt milde ausfiel, wirkte der Signa-Manager Timo Herzberg gegen Ende eher angespannt. Der Deutschlandchef, der gewissermaßen Gast im eigenen Haus war, hörte mit eingefrorenem Lächeln und vorgezogenen Schultern zu.

https://www.tagesspiegel.de/berlin/diskussion-zu-neubauplaenen-am-hermannplatz-karstadt-investor-signa-haelt-dresche-aus/26234494.html

Das Facetten-Magazin aus Neukölln berichtete so:

Diskussion eines prominent besetzten Podiums über den Karstadt-Neubau am Hermannplatz

Posted on 7. Oktober 2020 by FACETTEN-Magazin-Redaktion

„Wir haben alle den Traum, in einem tollen und attraktiven Haus zu arbeiten. Aber viele von uns fragen sich, finden wir uns nachher in relevanter Größe in diesem Gebäude wieder? So ein Bau löst Ängste aus.“ Kurz und knapp drückte Ulrich Wiegard (l.) die Hoffnungen und Sorgen der Beschäftigten auf einer Podiumsdiskussion zum Thema “Zukunft des Karstadt am Hermannplatz” aus. Wiegard ist Vorsitzender des Betriebsrats bei Karstadt am Hermannplatz, wo rund 180 Personen, meist weibliche Teilzeitkräfte, die im Schnitt Anfang 50 sind, arbeiten. „Einschließlich der Filial-Niederlassungen anderer Unternehmen sind im Haus rund 500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt, unter anderem bei Post, Buchhandlung, Drogeriemarkt und Apotheke. In gewisser Weise spreche ich auch für deren Interessen“, fügte der Betriebsrat hinzu.

Im Rahmen der Reihe “Fraktion vor Ort” hatte die Landesparlamentarierin Nicola Böcker-Giannini, die in der SPD-Fraktion für den Wahlkreis Neukölln 1 zuständig ist, am vergangenen Mittwochabend ein prominent besetztes Podium im Restaurant der Galeria Karstadt-Kaufhof am Hermannplatz zusammengebracht. „Die bisherige Diskussion war lange Zeit bestimmt durch eine relativ meinungsstarke und dabei recht unversöhnliche Initiative, die sich kategorisch gegen jegliche Umbaupläne stellt und dabei meist nicht den Diskurs sucht“, hob Böcker-Giannini einleitend hervor. Demgegenüber habe die SPD vor allem die Verantwortung für den gesamten Kiez, die Bezirke und Berlin als Ganzes im Blick hat, erklärte sie weiter und unterstrich: „Unser vornehmliches Ziel sind sichere Arbeitsplätze und die Zukunftsfähigkeit der Stadt.“

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller, der wegen eines Paralleltermins erst mit einstündiger Verspätung eintraf, verteidigte den Abschluss einer gemeinsamen Absichtserklärung, die die Spitzen der Regierungskoaltion mit Signa Real Estate und der Galeria Karstadt-Kaufhof GmbH erst im August zum Erhalt von Warenhäusern in Berlin unterzeichneten als ein Gesamtpaket zum Erhalt von Arbeitsplätzen und Kaufhausstandorten. „Signa erpresst uns nicht und entwickelt auch den Hermannplatz nicht allein!“, stellte der Regierende Bürgermeister mit aller Deutlichkeit klar. Auch Bezirksbürgermeister Martin Hikel forderte ein Bebauungsplanverfahren unter Federführung der öffentichen Hand und nannte es eine Selbstverständlichkeit. Der Hermannplatz sei für viele Neuköllner ein „Identifikationspunkt“ und der Kaufhausneubau könne zusammen mit einem Verkehrskonzept dazu beitragen, dass der Hermannplatz zu einem „Wohlfühlort“ werden.

Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, pries den historen Karstadtbau aus dem Jahr 1929 als eine „Ikone der Warenhausarchitektur“. Dass die Mietpreise stiegen sei nicht die notwendige Folge eines Kaufhausneubaus. Etwa dreieinhalb Jahre lang werden die Neubauarbeiten am Hermannplatz dauern, sobald alle Genehmigungen erteilt sind, erklärte Timo Herzberg (r.), CEO der Signa Real Estate Germany. Eine Umbau bei laufendem Betrieb schloss Herzberg ausdrücklich aus: „Wir wissen, dass wir auch während der Neubauphase präsent sein müssen, damit Karstadt bei den Kunden nicht in Vergessenheit gerät.“ Für die Bauphase seien mehrere Ausweichstandorte im Gespräch, die jetzt allerdings noch nicht genannt werden könnten, erklärte Herzberg weiter.

=Christian Kölling=

Presseberichte zur Podiumsdiskussion “Zukunft des Karstadt” am 30. September 2020
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