Bericht zur Podiumsdiskussion “Zukunft des Karstadt am Hermannplatz” am 30.09.2020

Am Mittwoch den 30. September 2020 luden mein Team und ich im Rahmen der Reihe “Fraktion vor Ort” zu einer prominent besetzten Podiumsdiskussion zum Thema “Zukunft des Karstadt am Hermannplatz” in das Restaurant der Galeria Karstadt Kaufhof am Hermannplatz ein.

Das Podium war mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller, dem Bezirksbürgermeister von Neukölln Martin Hikel, der Abgeordneten Ülker Radziwill, dem Betriebsrat des Karstadt am Hermannplatz Ulrich Wiegard, dem CEO von Signa Deutschland Timo Herzberg und dem Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg Nils Busch-Petersen nicht nur prominent besetzt, sondern auch in dieser Form so noch nie öffentlich zu sehen und hören gewesen.


Die bisherige Diskussion war lange Zeit bestimmt durch eine relativ meinungsstarke und dabei recht unversöhnliche Initiative, die sich kategorisch gegen jegliche Umbaupläne stellt und dabei meist nicht den Diskurs sucht.
Dies aber ist das erklärte Ziel der SPD, die vor allem die Verantwortung für den gesamten Kiez, die Bezirke und Berlin als Ganzes im Blick hat und dabei als vornehmliches Ziel sichere Arbeitsplätze und die Zukunftsfähigkeit der Stadt will.

So waren also auf dem Podium Menschen, die dem Publikum vor Ort und im Livestream Motivation, Gründe und vor allem Entscheidungsszenarien vermitteln wollten und die sichtlich darum bemüht waren zu erklären, dass ein restaurativer Umbau unter Berücksichtigung von Kiezinteressen und öffentlicher Diskussion und transparenter Entscheidungsfindung nicht gleichzusetzen ist mit einem von Einigen postulierten “Ausverkauf der Stadt” oder “Erpressung durch Finanzgrößen”.

So erklärte gleich zu Anfang ein sichtlich erleichterter Timo Herzberg, das seit dem heutigen Tage das Insolvenzverfahren abgeschlossen, das Sanierungskonzept tragfähig, die neuen Mietverträge alle unterschrieben und somit das Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof entschuldet ist und somit belastungsfrei in die Zukunft gehen kann.

Timo Herzberg

Eine gute Nachricht für die Standorte und vor allem die Beschäftigten.
Genau die wurden auf dem Podium vom Vorsitzenden des Betriebsrats Ulrich Wiegard vertreten, der in seinem Einführungsstatement auf die lange Durststrecke und die harten Einschnitte, die die Belegschaft schon seit Jahren hinnehmen musste, einging und klar erklärte, dass die hochmotivierte und qualifizierte Mannschaft des Kaufhauses nur allzu gern mit anpackt, wenn sowohl Vertrauen, als auch Sicherheit im Gegenzug geboten wird.

Ulrich Wiegard

Ein Argument, dem der Einzelhandelsverbands-Chef Nils Busch-Petersen nur beipflichten konnte. Das Warenhaus lebe von der Qualität seiner Mitarbeitenden, sie seien “das wahre Gold” des Unternehmens.

Nils Busch-Petersen

Busch-Petersen ging im Weiteren auf die haarsträubenden Fehler und das Missmanagement der Vergangenheit ein, auf die diversen “Investoren” seitdem und dass er mit Signa ein Unternehmen als intelligent empfindet, dass verstanden hat, wie Zukunftsfähigkeit auch des stationären Handels neu definiert werden kann. Die Pläne, die er kennt, seien ein erfreulicher Beweis für das tragfähige Konzept. Sollte es jedoch nicht umgesetzt werden können, sei der Standort langfristig nicht zu halten.

Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel ging vor allem auf die Bedürfnisse und Notwendigkeiten in seinem Bezirk und dem angrenzenden Friedrichshain-Kreuzberg ein und sagte klipp und klar, dass der Verlust von Karstadt am Hermannplatz nicht zu kompensieren und ein herber Verlust für Neukölln und Berlin wäre.

Martin Hikel

Er freue sich aber, dass Signa mit offenen Karten spiele bisher und vor allem auch die weiterführenden Nutzungen außerhalb reiner Kommerzorientierung, also Kiezinitiativen, öffentliche Einrichtungen oder Angebote für die Menschen aus dem Kiez, für ihn wichtige Kriterien seien, die eine Rolle spielen in den Gesprächen, die “nicht immer einfach waren”.
Umso wichtiger ist es aber, so Hikel, dass man nicht im Status Quo erstarre, sondern Politik, Gesellschaft und Wirtschaft Zukunftsfähigkeit auch gestalte.

Das war das Stichwort für den leicht verspätet eingetroffenen Regierenden Bürgermeister Michael Müller, der zunächst davon sprach, dass es ein großer Erfolg für Berlin sei, in diesen so schwierigen Zeiten – Corona, Einzelhandelskrise und Probleme im Unternehmen selber – so viele Standorte in Berlin gemeinsam mit den Vermietern und Signa gerettet haben zu können.

Michael Müller

Und Stadtentwicklung beinhalte ja das Wort “Entwicklung” und das verpflichte ihn eben auch dazu, zum Wohle der Menschen in der Stadt das Machbare zu Erreichen, Existenzen und Kieze zu sichern und zu erhalten und für sichere und gute Lebensverhältnisse Aller, und nicht Einzelner, zu sorgen.
Müller gab zu, nicht mit allem zufrieden sein zu können und dass es schmerzt, doch Standorte verloren zu haben, aber der “LOI”, also Letter of Intent, wurde nicht nur von ihm, sondern auch den SenatskollegInnen Lederer (LINKE) und Popp (Grüne) unterzeichnet.
Alle stünden in der Verantwortung und er machte klar, dass er auch gewillt sei, diese anzunehmen. Die SPD sei verlässlicher Partner aller Menschen, auch jener, “die es nicht so dicke haben” oder alles im Netz kaufen könnten.

Und wo ein solches Haus wie das Karstadt entfiele, entstünden rasch Probleme, die die Stadt dann vor ganz andere Herausforderungen und Entscheidungen stelle. Deswegen sei er auch nie von Signa “erpresst worden”, sondern man habe gemeinsam nach Lösungen gesucht und miteinander um die besten Wege dazu gerungen.

Dies unterstrich auch Ülker Radziwill, die als stv. Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses bei vielen Anhörungen und Gesprächen dabei war und die konstruktive Rolle und Bemühungen aller Beteiligten hervorhob.
Es gab, so Radziwill, immer das Gefühl, dass es um die Sache und Menschen, und nicht kurzfristige Rendite ging. Das hätte sie schon anders erlebt, auch und gerade beim Karstadt-Konzern. Und sie als Charlottenburgerin sei besonders froh, dass auch das dortige Haus weiter bestehen bleibe.

Ülker Radziwill

Die Fragen aus dem Publikum und aus dem Livestream folgten und brachten dann auch die Fragen, die woanders oftmals in weit lauterer Weise gestellt werden, wie Verdrängung, Angst um den Arbeitsplatz oder Verkehrsströme rund um den Hermannplatz.
Aber dies können Sie und Ihr hier nochmals im Livestream selber anschauen – Link ist unten.

Den schönsten Abschlusssatz brachte dann der offenbar auch romantisch veranlagte Nils Busch-Petersen, der an den bereits verstorbenen Karstadt-Manager Rainer Schierholz erinnerte, der “sicherlich gemeinsam mit dem Vollmond von oben dem Karstadt hier unten die neue, alte Blüte” wünschte.

Die Presse-Berichterstattung über den Abend finden Sie hier: Tagesspiegel ; Berliner Morgenpost.

Bericht zur Podiumsdiskussion “Zukunft des Karstadt am Hermannplatz” am 30.09.2020
Markiert in:                                                                 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.