Fraktion vor Ort, 2. Tag, Freitag 17. Dezember 2019 – Synagoge, Kirche und Lesung

Der zweite Tag begann mit dem Besuch der Synagoge am Fraenkelufer. Die jüdische Gemeinde war einstmals eine der größten in Berlin, mit einem Einzugsgebiet, dass weit über die Grenzen der Bezirke Kreuzberg und Neukölln hinaus ging.

Im Jahr 2016 feierte sie ihr 100-jähriges Jubiläum. Die Nazis zerstörten in der “Kristallnacht” am 09. November 1938 große Teile der einstmals so prachtvollen und reich ausgestatteten Synagoge. Stehen blieb nur ein kleiner Teil, der heute als Weihraum dient.

Im Betsaal der jüdischen Gemeinde am Fraenkelufer

Wir wurden von Nina und Dekel Peretz vom Verein “Freunde des Fraenkelufers e.V.” begrüßt, der sich schon vor einigen Jahren gegründet hat und der sich zum Ziel gesetzt hat, das historische Gebäude am gleichen Platz wieder auferstehen zu lassen. Gleichsam als Symbol für die Wiederauferstehung jüdischen Lebens in unserer Stadt nach der Shoah. Dies wäre das erste mal weltweit, das ein solcher Wiederaufbau gelingt.

Die Synagoge wurde bereits kurz nach dem Krieg wieder genutzt, die Wiedereinweihung selber fand mit dem Einzug der Torarollen 1959 statt. 

Einzug der Torarollen 1959

Zu unserem Besuch kamen noch Vertreter*innen verschiedener Initiativen und Kulturschaffender: die Schauspielerin Yael Schüler vom Ruhm Theater, das Shalom Rollberg,

oder Roy Siny, der als DJ Marion Cobretti in Berliner Nachtleben bekannt ist. Roy organisiert Berlins beste Purim (jüdische Fasching) Partys, in den letzten Jahren im Club Ritter Butzke.

Zudem hat er ein Hummus Festival im “Brigitte und Bier” gegründet und sucht nun nach einem neuen Ort dafür. Bei dem Festival geht es nicht nur um gutes Essen, sondern auch darum, durch diese gemeinsame Vorliebe einen Dialog zwischen Juden, Muslimen und allen anderen, die die Leidenschaft für Hummus teilen, auf eine Berliner Art und Weise zu ermöglichen. 

Gespräch mit Gemeindemitgliedern, Martin Hikel, Frank Jahnke und Vertreter*innen jüdischen Lebens

Begleitet hat uns der Bezirksbürgermeister von Neukölln Martin Hikel und der Religionspolitische Sprecher der Abgeordnetenhausfraktion der SPD, Frank Jahnke.

Der imposante Turm der Martin Luther Gemeinde, der inzwischen restauriert werden konnte. Ein Wahrzeichen Neuköllns.

Der zweite Besuch an dem Tag galt, nach einem Infostand am Hermannplatz, der evangelischen Gemeinde Martin Luther in der Fuldastraße in Neukölln.
Diese Gemeinde ist eine besonders offene und sehr interessante, da ihr Sprengel doch mitten in einem sog. “Problemkiez” liegt, der sich aber in den letzten Jahren vor allem mit dem Problem der Gentrifizierung konfrontiert sieht.
Raed Saleh, der Vorsitzende meiner Fraktion, begleitete uns zusammen mit Frank Jahnke zu der Gemeinde. Dort wurden wir von Pfarrerin Anja Siebert-Bright und dem Superintendenten Christian Nottmeier und vielen Vertreter*innen der Gemeinde begrüßt.
Zunächst zeigte man uns den Gemeindesaal mit einem wirklich beeindruckenden Bild, das eine ganz eigene Geschichte erzählt. Schaut es Euch an!

Altarbild in der Martin Luther Kirche

In einem intensiven Gespräch konnten wir uns über die beeindruckende Arbeit der Gemeinde informieren. Besonders spannend für mich als Integrationspolitische Sprecherin ist die Arbeit in der Geflüchtetenhilfe. Eine wirklich lebendige Gemeinde im Herzen unseres Kiezes!


Gebannt lauschende Zuhörer*innen bei der Lesung von Umes.

Am Abend hatten wir dann noch einen weiteren Höhepunkt: die Lesung des Arztes Dr. Umeswaran Arunagirinathan, der als junger unbegleiteter Minderjähriger vor dem Krieg in seinem Heimatland Sri Lanka nach Deutschland geflüchtet ist. Er hat uns seine wahrhaft beeindruckende Lebensgeschichte erzählt, die er in 2 Büchern veröffentlicht hat. Zu uns brachte er vor allem sein Buch “Der fremde Deutsche” mit, aus dem er las. Seine Geschichte kann und sollte uns Ansporn sein, das Thema Integration als Chance, und nicht als Bedrohung zu sehen.

An dieser Stelle noch einmal einen großen Dank an Umes für diese Lesung, die wir gerne wiederholen würden. Auch wenn sein derzeitiger Arbeitsplatz ein Krankenhaus in Bremen ist.

Zusammen mit Arzt und Autor Dr. Umeswaran Arunagirinathan
Fraktion vor Ort, 2. Tag, Freitag 17. Dezember 2019 – Synagoge, Kirche und Lesung

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