Die Jobmesse “Sticks & Stones” im SchwuZ am Samstag, den 02. Juni 2018 hat mehrere Erkenntnisse gebracht:
1. Es ist inzwischen in ganz vielen Unternehmen angekommen, dass eine spezielle Diversity-Strategie im HR-Bereich nicht nur die Erfolge vergrößern hilft, sondern auch zu einem deutlich anderen und angenehmeren Umgang innerhalb der Belegschaft führt.
2. Erstaunlich ist, dass es gerade sehr linke Gruppen sind, die hierbei aber einen Vorwurf machen, den man von anderer, unschöner Gelegenheit (BDS) schon kennt, nämlich der Vorwurf des sog. “Pinkwashing”. Er bedeutet, dass sich Firmen mit einer LGBTIQ*-Strategie reinwaschen wollen von ihrem verdammenswerten, sonstigen Gebahren.
Diesen Vorwurf finde ich teils absurd, wollten wir doch gerade diese Normalität auch und gerade für die LGBTIQ*-Mitglieder erreichen.

Diese Erfahrung bewog mich dazu, mich nun einmal bei der Berliner Verwaltung zu erkundigen, inwiefern die Gedanken des Diversity-Managements auch bei den Landesbehörden und landeseigenen Unternehmen gelebt und wie um die LGBTIQ*-Mitglieder als Arbeitnehmende geworben wird.
Bei meiner Anfrage dazu erhielt ich folgende Antworten:

1. Wie stehen landeseigenen Unternehmen und die Berliner Verwaltung bei der Rekrutierung von Nachwuchs

und anderem Personal zu den Diversity-Gedanken (Offenheit gegenüber anderen Lebensweisen)?

2. Verfolgt der Senat, die landeseigenen Unternehmen und seine Verwaltung eine stringente Diversitystrategie?

Wenn ja, welche?

Zu 1. und 2.:

Senat/ Berliner Verwaltung:

Die Abteilung VI, Landesstelle für Gleichbehandlung gegen Diskriminierung, der Senatsverwaltung

für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung hat den Auftrag,

ein Diversity-Landesprogramm zu entwickeln (vgl. Richtlinien der Regierungspolitik).

Mit dem Programm wird das Ziel verfolgt, verbindlich Ziele und Verfahrensschritte festzulegen,

mit denen Vielfalt im Verwaltungskontext gefördert werden kann. Im zu erstellenden

Landesprogramm werden verschiedene Aktivitäten zur Förderung von Chancengleichheit

auf Landesebene stärker als bislang zusammen betrachtet, um übergreifende

Maßnahmen zu formulieren. Hierfür ist die enge Zusammenarbeit mit den zentralen Akteurinnen

und Akteuren für Chancengleichheit auf Verwaltungsebene unerlässlich.

Im Juni 2017 hat der Senat zentrale Schritte und Inhalte eines Diversity-

Landesprogramms beschlossen (Drucksache 18/0418). Diese umfassen: Ein Diversity-

Leitbild für die Berliner Verwaltung, Maßnahmen im verwaltungsübergreifenden Handlungsfeld

„Diversity und Personalmanagement“, Maßnahmen im verwaltungsübergreifenden

Bereich „Diversity und Sprache/Bilder“, eine Vorlage für die Berichterstattung über

Diversity-Maßnahmen und die Umsetzung eines Diversity-Mainstreamings in den einzelnen

Senatsverwaltungen. Das Thema Personalgewinnung wird als Teil des Personalmanagements

unter Diversity-Gesichtspunkten mit dem Ziel geprüft, ggf. mit den entsprechenden

Verwaltungseinheiten weitere Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt im Bereich

der der Personalgewinnung zu formulieren.

Darüber hinaus besteht ein kontinuierlicher Kontakt zwischen der Abteilung VI, Landesstelle

für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung, der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz

und Antidiskriminierung und dem landesweiten Personalmarketing/-re2

cruiting bei der Senatsverwaltung für Finanzen, mit dem Ziel, Diversity-Gedanken sowohl

im landesweiten Personalmarketing als auch bei der Rekrutierung strategisch weiter zu

verankern.

Landeseigene Unternehmen:

Unabhängig der gesetzlichen Maßgaben wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz

(AGG) und das Gesetz zur Gleichberechtigung von Menschen unterschiedlicher sexueller

Identität (SexGlBerG) setzen die landeseigenen Unternehmen darüber hinaus verschiedene

Diversity-Maßnahmen um, die zur Förderung einer Kultur der Wertschätzung

von Vielfalt beitragen (siehe Anlage).

3. Kennt der Senat und damit die landeseigenen Unternehmen und die Berliner Verwaltung Job- und Karrieremessen,

die der LSBTI*-Klientel annehmen? Wenn ja, welche? Wenn ja, existiert hierzu ein Human-

Ressource-Konzept in den Unternehmen/der Verwaltung?

4. Nimmt der Senat, die Berliner Verwaltung und/oder landeseigene Unternehmen an entsprechenden

Messen teil?

Zu 3. und 4.:

Senat/ Berliner Verwaltung:

Der Bereich „landesweites Personalmarketing/-recruiting“ bei der Senatsverwaltung für

Finanzen bewirbt seit 2017 zentral die Berliner Verwaltung als Arbeitgeberin und präsentiert

sich auch gemeinsam mit Dienststellen des Landes Berlin auf Messen. Die Auswahl

der Messen erfolgt in erster Linie nach mit der Präsentation verbunden Reichweite (Bekanntheit/

Besucher- und Besucherinnenzahlen). Es ist jedoch geplant, die Messeaktivitäten

des Bereichs weiter auszubauen und sich auch auf Messen, die sich an besondere

Zielgruppen richten, zu präsentieren. Die Karrieremesse „Sticks & Stones“ ist dem Senat

in diesem Zusammenhang bekannt. Die Messe bezeichnet sich selbst als Europas größte

Job- und Karrieremesse für Lesben, Schwule, Bisexuelle sowie trans- und intergeschlechtliche

Menschen (LSBTI) und richtet sich nach eigener Darstellung an Schülerinnen

und Schüler, Studierende, Absolventinnen und Absolventen sowie Jobsuchende mit

Berufserfahrung.

Landeseigene Unternehmen:

Siehe Anlage.

5. Gibt es in allen landeseigenen Unternehmen und Beteiligungen und in der Verwaltung Ansprechpartner*

innen für gleichgeschlechtliche Lebensweisen? Wenn ja, kümmern sich die Ansprechpartner*innen

auch um die Rekrutierung von Mitarbeitenden?

Zu 5.:

Berliner Verwaltung:

Zwar gibt es keine explizit benannten Ansprechpersonen für gleichgeschlechtliche Lebensweisen

in der Berliner Verwaltung, jedoch Diversity-Ansprechpersonen, um Diversity-

Aktivitäten in den Berliner Senats- und Bezirksverwaltung zu unterstützen und stärker

aufeinander abzustimmen. Diese Personen werden in diesem Jahr zum Themenfeld geschult

und dienen zukünftig als Ansprechpersonen in Bezug auf Diversity-Maßnahmen

und somit auch für Personen verschiedener sexueller und geschlechtlicher Identitäten,

denn Diversity bezieht sich auf alle im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) genannten

Dimensionen von Vielfalt.

Darüber hinaus haben Beschäftigte stets die Möglichkeit, sich vertrauensvoll beispielsweise

an die Leitungen des Personalreferats, den AGG Beschwerdestellen oder dem

Personalrat in den Senatsverwaltungen zu wenden.

In den Berliner Schulen gibt es Kontaktpersonen für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt/

Diversity, zum Teil auch Diversitybeauftragte, diese sind jedoch nicht im Kontext

Personal oder mit Fragen rund um das Thema Personalrekrutierung befasst. Auch bei

der Senatsverwaltung für Inneres und Sport sowie bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft

Berlin gibt es Ansprechpersonen für LSBTI, die jedoch nicht für die Rekrutierung

von Mitarbeitenden zuständig sind.

Landeseigene Unternehmen:

Siehe Anlage.

6. Gibt es eine Leitlinie des Senats, der landeseigenen Unternehmen und/oder der Berliner Verwaltung für

den Umgang mit Menschen anderer sexueller Orientierung und Identität im eigenen Hause? Wenn ja, welche?

Zu 6.:

Senat/ Berliner Verwaltung:

Die Senatsverwaltungen verfügen über keine eigene Leitlinie für den Umgang mit Menschen

mit verschiedenen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten. Hierfür

ist ein landesweites Leitbild zum Thema Diversity sinnvoll und zielführend, das alle im

AGG genannten Diskriminierungsmerkmale berücksichtigt, um ein einheitliches Verständnis

sicher zu stellen. Daher wird aktuell in einem Begleitgremium für das Landesprogramm

Diversity und zur Begleitung der Interkulturellen Öffnung ein Leitbild in Bezug

auf den Umgang der Verwaltung mit Vielfalt entwickelt. Das Begleitgremium wird von der

Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung und der Senatsverwaltung

für Integration, Arbeit und Soziales gemeinsam koordiniert. An dem Gremium

sind Leitungen der Zentralen Dienste bzw. Service-Abteilungen der Senatsverwaltungen,

Vertreterinnen und Vertreter für Chancengleichheitsstrategien (darunter auch aus dem

Fachbereich LSBTI/ VI B der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung),

des Hauptpersonalrats, der Hauptschwerbehindertenvertretung und

über den Rat der Bürgermeister benannten bezirkliche Vertreterinnen und Vertreter beteiligt.

Das Gremium hat sich bislang zweimal getroffen, bis Ende des Jahres sind drei weitere

Treffen geplant.

Darüber hinaus arbeitet die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie derzeit an

Leitlinien für Schulen zur Umsetzung der „Empfehlungen zum Umgang mit Veränderung

und Anerkennung des Geschlechts im öffentlichen Dienst“ aus dem Gutachten des Bundesministeriums

für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) „Geschlechtliche

Vielfalt im öffentlichen Dienst“ (2017).

Die tabellarische Synopse zu den landeseigenen Unternehmen ist besonders aufschlussreich.
Diese könnt Ihr gerne bei Bedarf bei uns abrufen.
Schreibt mir einfach unter:

kontakt@boecker-giannini.de

 

Wie queer- und diversity-freundlich sind die Berliner Verwaltung und öffentlichen Unternehmen?

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